18. Tesch-Travel-Treffen


Endlich finde ich Zeit, Euch meine Eindrücke vom »großen Globetrotter Tesch-Treffen« zu schildern. Zu Anfang eine Beichte, als ich am Samstag morgen in Wuppertal den Neuschnee sah, bin ich leider schwach geworden und habe das Angebot von Klaus angenommen, mit dem Wagen zum Treffen zu fahren :-(. Nicht ganz stilecht, aber sicherer, und ich bin dadurch auch angekommen.

Das eigentliche Treffen fand jenseits der nahen belgischen Grenze auf einem Camping in der Nähe von Malmedy von Freitag bis Sonntag statt. Wir, das heißt Klaus, Kamran und ich, haben nur die Diavorträge besucht, die in der Nähe von Monschau in einem Gasthof, der sich sinnigerweise »Sport-Hotel« nannte, am Samstag gehalten wurden. Im Programm wurde groß darauf hingewiesen: »Die iranischen Pächter bereiten immer eine Extra-Speise-Karte für Euch vor«. Kamran, er ist Perser, freute sich schon auf Chelo-Kebab (Chelo -> Reis; Kebab ist ein Fleischspieß), musste sich mit »persischen« Hamburgern, »persischen« Spaghetti sowie »persischem« Zigeunerschnitzel mit den berühmten Langkorn Pommes zufrieden geben ;-))). In dem Saal des »Spott-Hotel« fanden sich gut 300 Leute ein, 90% waren mit dem Bike gekommen :-(, als dann noch ein Bekannter (auch aus Wuppertal) mich mit Worten »Wie ohne Moped?¿?« begrüßte, fing ich an, mir Gedanken über eine Ausrede zu machen ;-)). Von Norddeutschland bis zur Schweiz waren alle Breitengrade vertreten, mit Moped wohlgemerkt !¡!

Was sagte das Programm? »ab 13.30 Uhr Begrüßung der Teilnehmer durch Bernd Tesch«, diese Drohung wurde auch umgesetzt. Bernd Tesch: Ende 40 - Anfang 50 (schlecht zu schätzen) ca. 1.70cm groß, schwarze Haare, von denen er mehr am Kinn als auf dem Kopf trägt, WachsCotton (speckig wie der Rest (das war aber jetzt nicht nett )) und »ein halbes Schaf als Nierengurt« (wie Thomas so treffend bemerkte ;-))) ), rundum ein richtiges »Original«. Über ein dreiviertel Stunde quatschte er auf die Zuhörer ein, von seinem »Vierradbecher«, seinen »einfach super Aluboxen«, seinen Trägern, seinen Tanks, einem Buch, das total super sei (er aber in seinem Laden völlig unverständlicherweise in drei Jahren nur zwei davon verkauft habe!¡!) und nicht zu vergessen seinen eigenen Büchern (die wohl einzigen Bücher, die im Druck ein Schreibmaschinen-Layout haben und in denen 80% der Sätze mit einem »!« enden), die deshalb nicht mehr so gut verkauft werden, weil die Buchhandlungen nur noch Serien verkaufen ;-)). Wie Ihr wisst nicht, was ein »Vierradbecher« ist?¿? Echte Bildungslücke, für so etwas fährt man halt zum Tesch ;-))) Wer eine Reise ohne seine Teile antritt, ist sowieso zum Scheitern verurteilt und den »Vierradbecher« gibt's halt nur beim Tesch ;-)). Einfach unverständlich, dass er seit letztem Dezember kein Globetrotterladen mehr hat ;-))). In regelmäßigen Abständen schleppte er irgend jemanden auf die Bühne, ob es Ted Simon war, der dann zu besten gab, dass er soviel Leute auf einen Haufen eigentlich gar nicht mag, oder andere, für die Bogenschießen heute wichtiger sei als Motorradfahren und sie uns dennoch »Gute Fahrt« wünschen. Allein schon diese »Begrüßung der Teilnehmer durch Bernd Tesch« war die Fahrt wert, wir lagen alle unter den Tischen :-))).

Endlich der erste Diavortrag: »Transafrika« mit Peter Lichey & Dirk Schneider auf zwei BMW R 80 G/S. Route: Marokko - Senegal - Elfenbeinküste - Nigeria - Zaire - Uganda - Kenia - Südafrika.

Es begann ganz vielversprechend, aber dann kam der erste Satz: Tiefstes Bayrisch!¡! Kamran's Stirn legte sich in Falten, nach wenigen Minuten gab er es ganz auf. Klaus & ich verstanden wenigstens noch den Inhalt, wenn wir nicht gerade lachten. Ein ganz neues Erlebnis: Afrika auf bayrisch. Immerhin weiß jetzt jeder anwesende »Preiß« wie ein Bayer die Welt sieht ;-)). Anschließend kam die haarkleine Beschreibung eines Bananenkaufes (schließlich wollte man ja nur ein paar Bananen und nicht die ganze Staude). Ein Schwarzer wollte, um genauso schön weiß wie die beiden Fahrer zu sein, Sonnenmilch haben. Dass halt »Biar« dort bekömmlicher sei als Wasser oder wie genau ein afrikanischer Taschendieb arbeite (mit Vorführung versteht sich). Nach seinen Bemühungen gab es Applaus und er war sichtlich erleichtert. Sicher sein erster Vortrag, auf jeden Fall sein erster vor derart gnadenlos-»preußischem« Publikum ;-))). Zum Abschluss bekamen sie noch ein Geschenk. Ja was wohl? Genau den »Vierradbecher« ;-))). Interessant bei diesem Vortrag war folgendes (BMW-Fahrer mal weghören!), der Vortrag begann u. a. mit den Worten: »Wir haben deshalb so wenig Zeit gebraucht, weil wir keine Probleme mit den BMWs hatte« (das ganze natürlich in bayrisch!). Aber auf jedem fünften Bild sah man wie irgendetwas an den Bikes repariert werden musste. Vielleicht ist es mir auch nur deshalb aufgefallen, weil ich an diesem Tag meine BMW-Brille vergessen hatte ;-))).

Als nächstes kam »Namibia« von Bernd Tesch ;-)

Über das große »ICH«, das im Raume schwebte, brauche ich kein Wort mehr zu verlieren. Nach hinreichender Werbung für einen Freund, der in Windhoek einen Auto- & Motorradverleih betreibt, beschrieb er eine »Autotour« (!¡!) von Windhoek nach Kapstadt, mit so informativen Kommentaren wie: »Wenn der Tesch ein Schild sieht auf dem »Camping verboten!« steht, dann übernachtet er dort erst recht«. Oder: »Diese mehrere hundert Jahre alte Pflanze steht im Zoo von Windhoek, aber der Tesch schaut sich so was nur in der freien Natur an, brennt übrigens sehr gut (Bild vom Feuer mit »Vierradbecher« ;-)) )«. Mit den letzten Bildern vom Kap hat der liebe Tesch dann den Sprung zurück nach Windhoek gemacht und düste fortan mit einer alten XT herum (natürlich von Ihm im Auftrag von Yamaha vor Jahren »fernreiseoptimiert« ;-)) ). Er besuchte die »Ovahimbas«, die noch abgeschieden und fast unberührt leben (nächstes Bild: Ovahimbas auf einem Toyota-Jeep in Hemd und Hose, jetzt wissen wir woher wir Hemd & Hose und die Japaner Ihre Jeeps haben ;-)) ). Nach der schlimmsten Piste Afrikas (oder war das doch ein Flussbett?¿?) und einer Übernachtung beim Polizeipräsidenten sowie einigen gekauften Dias aus einem Nationalpark, hatte dieser Vortrag sein ersehntes Ende.

Klaus war mittlerweile nur noch mit Mühe zum Bleiben zu bewegen :-)). Klaus alle paar Minuten: »Ich hätte wirklich nichts dagegen, wenn wir fahren würden!¡!«

Vortrag Nr. 3: »Sechs Jahre Solo-Reise« der Französin Catherine Germillac mit einer 125er Yamaha. Kanada - USA - Mexiko - Kolumbien - Peru - Bolivien - Chile - Australien.

Beeindruckend an diesem Vortrag waren weniger die gezeigten Bilder, vielmehr stand dort eine grade mal 155cm große, zierliche Person vor uns, die diese Tour ganz allein hinter sich gebracht hat, mit längeren Aufenthalt in Kolumbien und Peru, wo sie arbeitete und ihren Geldbeutel zur Weiterfahrt füllte.. Ihren Vortrag war einfach gut, vielleicht habe ich deshalb nichts zum Merken gefunden, weil sie ihn in Englisch gehalten hatte (wer weiß wie viel ich richtig verstanden haben ;-))) ). Kleine Erinnerung an das Thema des Treffen: »Frauenmotorradreisen« ;-))). Eine war also dabei.

Nun baute sich »Teschiboy« wieder auf der Bühne auf, und alle Frauen mussten auf die Bühne. Nachdem auch die Unwilligste Ihren Widerstand aufgegeben hatte, trat Bernd in Aktion. Er verteilte Blumensträuße und (Na, was wohl;-))) ) »Vierradbecher« für so herausragende weibliche Leistungen, wie die längste Reise, den längsten bzw. kürzesten Anfahrweg...... .Jeder Kandidatin bekam natürlich einen dicken Schmatzer und Ihm fielen viele Auszeichnungsmöglichkeiten ein. ;-)))

Zuletzt kam die »Süd-Amerika-Tour« von Marc Gutmann auf einer Susi DR 650 mit Tesch-Tank. Von den »Guten Winden« in Argentinien bis nach Venezuela, wobei er alle Länder Südamerikas außer Brasilien und Chile besuchte. Peinlicherweise stellte ihn Bernd als »sehr sensibel, superintelligent und sehr attraktiv (er könne jede Frau habe ;-)))) )« vor. Leider sollten das keine leeren Versprechungen sein :-(. Er war so sensibel, dass man nur noch vom Geräusch des weiterschaltenden Diaprojektors vor dem Schlaf bewahrt wurde. Nicht dass die Bilder schlecht wären, aber diese sanfte Stimme und dieses Tempo einfach toll. Und dieser Erfolg bei Frauen, zum neidisch werden, aber musste er uns jede Eroberung auch zeigen? Er sah schon toll aus, wie er in geschickter Bewegung seine blonde Tolle alle paar Minuten nach hinten warf. Böse Zungen behaupteten, diese Frauen seien schlichtweg bei der Unterhaltung mit Ihm eingeschlafen, oder durch die ständige Haare-nach-hinten-werfen-Bewegung hypnotisiert worden, aber da spricht sicher nur der blanke Neid ;-))). Peinlich nur, dass der Tesch-Tank noch in Argentinien gegen eine kleine aber dichte 1,5l Plastikflasche getauscht wurde. Unsere beiden Bayern konnten es sich nicht nehmen lassen, mitten im Vortrag nach dem Hersteller des Tanks zu fragen ;-))), was eine längere Unterbrechung durch Bernd zur Folge hatte. Die DR steht jetzt in Venezuela (mit neuem Tank). Wo denn wohl?¿? Richtig, bei einer seiner Eroberungen. Da soll einer noch was von feurigen Südamerikanern erzählen, ich für meinen Teil lerne seit Samstag l a n g s a m e s S p r e c h e n . ; - ) ) ) ).

Am Ende tischte Bernd noch mal seine »Restposten« auf und verabschiedete einige Leute, die vom Treffen aus oder kurze Zeit später (lächerliche zwei bis drei Monate) zu Fernreisen aufbrechen wollen. Selbstverständlich kam keine Frau ungeküsst von der Bühne. Durch Kamran wurden wir von den persischen Pächtern noch zu »Chelo-Kebab« eingeladen, da soll sich noch jemand über dieses Treffen beschweren. ;-))))

Das Treffen lebt halt durch die Kontakte, und die Diavorträge sowie die Tesch-Show sind nun mal ein Teil des Ganzen. Man muss zur Ehrenrettung auch sagen, dass in letzter Minute die amerikanische Journalistin Catherine Rambeau (zwei Jahre durch Südamerika) und eine Schweizerin (mit einer Harley auf dem Landweg nach Australien) abgesprungen sind (vielleicht wollten sie keinen »Vierradbecher« ;-)))). Normalerweise hat man bei den Diavorträgen weniger zu lachen und mehr zu staunen, so war letztes Jahr Ted Simon mit von der Partie. Und das ist auch der Grund, warum ich nächstes Jahr wieder dabei sein werde, dann mit Bike. Immerhin ist der Termin erst im April (Sa 11.4 .- So 12.4.97) und das lässt auf besseres Wetter hoffen ;-)). Tesch ist halt, was er ist, und wenn man gewarnt ist, dann kann man sich köstlich amüsieren.

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© 1996 by Ralf Westkämper